Geld oder Liebe – Streit ums Geld

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Romantische Liebe und Finanzen sind Lichtjahre voneinander entfernt. 

Besonders am Anfang einer Beziehung, wenn man sich innigst verbunden fühlt, wunderbar aufgehoben beim anderen und sich gegenseitig durch die Augen der Glückseligkeit sieht, wollen sich Paare nicht mit so profanen Dingen wie gemeinsamen Finanzen auseinandersetzen. 

Das ist auch erst einmal okay so. Aber wenn es um mehr geht, wenn das Paar sich entscheidet, zusammen zu wohnen und allerspätestens, wenn ein Baby dazu kommt, hat das Thema Finanzen eine hohe Bedeutung. Nicht nur für die pragmatische Organisation des Alltags, sondern auch für den guten Fortbestand der Liebesbeziehung.

Streit ums Geld ist oft der Anlass, eine Paarberatung aufzusuchen

Die Bedeutung des Themas Geld in Beziehungen zeigt sich auch daran, dass Probleme rund um das Thema Finanzen eines der häufigsten Themen in der Paarberatung sind. Konflikte rund ums Geld entstehen oft dann, wenn es einen großen Unterschied zwischen dem gibt, was die beiden Partner verdienen. 

Besonders deutlich wird das oft, wenn ein Baby dazukommt und einer der Partner in Elternzeit oder später in Teilzeit geht. In Deutschland arbeiten in der Regel die Frauen in Teilzeit und die Männer in Vollzeit, also haben die Frauen dann weniger Geld als die Männer. 

Das ist eine schwierige Ausgangslage, in der viel Konfliktpotential steckt. Auch Paare, die gut miteinander klar kommen, stellt das vor große Herausforderungen. Streit und Konflikte sind also fast vorprogrammiert aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wie die Paartherapie helfen kann

Eigentlich könnte man denken, dass ein auf Zahlen, Daten und Fakten beruhendes Thema wie Geld, sachlich ausgehandelt werden kann. Das ist aber nicht so, weil es in der Regel eben nicht nur um Zahlen geht, sondern hinter dem vordergründigen Thema Geld in Wirklichkeit etwas ganz anderes steckt. 

Deshalb ist es wichtig herauszufinden, ob es tatsächlich nur um das Thema Geld geht oder in Wirklichkeit um etwas ganz anderes, das sich nur vordergründig an den Finanzen entzündet.

Pragmatische Tipps zum gerechten Umgang mit Geld

Wenn es tatsächlich nur darum geht, eine gerechte Lösung für den Umgang mit den Finanzen zu finden, kann ein Vorgehen wie folgendes schnell helfen:

Zunächst ist es wichtig, sich einen verlässlichen Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. Dann wird besprochen, was gemeinsame Ausgaben sind und deren Höhe berechnet. Im nächsten Schritt wird ausgerechnet, wie hoch der Anteil ist, den jeder an den gemeinsamen Kosten trägt, und zwar wird dieser anteilig von der Höhe des Einkommens ausgerechnet. Hier ein Rechenbeispiel mit runden, nachvollziehbaren Zahlen:

Jonas verdient 2000 Euro, Anette verdient 3000 Euro. Für ihre gemeinsamen Kosten haben sie sich auf 2000 Euro geeinigt. Zusammen haben Annette und Jonas 5000 Euro. 

Annettes Anteil an diesem „gemeinsamen Einkommen“ beträgt 60% und Jonas Anteil 40%. Also übernimmt Annette 60 % der gemeinsamen Kosten, also 1200 Euro und Jonas 40%, also 800 Euro. Beide zahlen ihren Anteil auf ein gemeinsames drittes Konto, von dem die gemeinsamen Ausgaben bestritten werden.

Das ist natürlich nur eine Möglichkeit und nicht für alle Paare passend. Zumal es bei manchen Paaren nur einen Verdienst gibt und ein anderes Vorgehen nötig ist. Letztlich muss sich jedes Paar in Ruhe zusammensetzen und für sich besprechen, wie nach Auffassung von beiden Seiten eine gerechte Verteilung des Geldes und der Ausgaben aussehen könnte.

Die im Gespräch entstandenen Vorschläge werden so lange verhandelt, bis eine Lösung gefunden ist, zu der beide mit einem guten Gefühl ja sagen können. Hilfreich ist es, diese Lösung nach einiger Zeit noch einmal zu überdenken und zu schauen, ob sie noch passt oder eine Nachverhandlung nötig ist.

Wenn hinter dem Streit ums Geld etwas anderes steht

In den meisten Fällen, wenn Paare immer wieder über Geld in Streit geraten, hilft eine pragmatische Vereinbarung zum Umgang mit den Finanzen wie oben beschrieben allein nicht.

Das liegt daran, dass hinter dem vermeintlichen Streitthema tiefer liegende Bedürfnisse stehen, die nicht erfüllt werden. Im Eifer des Gefechts ist das aber nicht so leicht zu erkennen und den Paaren in der Regel nicht klar.

Sie gehen davon aus, dass Geld die Ursache für den ganzen Ärger ist und verstricken sich immer wieder in ähnlichen Streitereien.

Paartherapie Köln - Geld oder Liebe (Abschluss)

Hinter dem Streitthema liegende Bedürfnisse erkennen

So lange die hinter dem Streitthema liegenden Bedürfnisse nicht erkannt worden sind, macht es wenig Sinn, auf einer rationalen, sachlichen Ebene über Finanzfragen zu sprechen. Die unerfüllten Bedürfnisse stehen einer sachlichen Auseinandersetzung im Weg und müssen zuerst angesprochen werden.

Wenn ich mich über das Verhalten meines Partners in Bezug auf Geld ärgere, geht es nicht um die Frage, was dieser falsch macht. Sondern darum, was ich selbst in dieser Situation brauche, aber nicht bekomme.

Und das können ganz unterschiedliche Bedürfnisse sein. Oft geht es um Anerkennung zum Beispiel für die geleistete Arbeit für die Familie zu Hause oder für das Erbringen des Familieneinkommens. Oder es geht um das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, das keinen Raum hat. Auch Bedürfnisse nach Kontrolle, Macht oder Versorgung können das Problem sein.

Was hinter dem vordergründigen Thema Geld steht, ist bei jedem Paar anders und muss zunächst herausgefunden werden. Erst dann kann es darum gehen, wie diese Bedürfnisse innerhalb der Beziehung aktuell erfüllt werden und wie das in Zukunft besser laufen kann. Damit ist dann eine gute Grundlage gelegt, sich von Streitereien um das liebe Geld zu verabschieden.

Wenn der Umgang mit Geld in der Partnerschaft für Sie ein Thema ist, an dem Sie mit professioneller Unterstützung arbeiten wollen, nehmen Sie Kontakt zu mir auf.